Eine Geschichte, die sich in vielen Haushalten abspielt
Stell dir deinen Hund vor. Noch vor Kurzem rannte er wie verrückt über die Wiese, jagte hinterher und sprang voller Freude auf das Sofa. Und jetzt? Nach einem kurzen Spaziergang legt er sich schwer auf den Boden, hechelt, sieht dich angestrengt an, und statt Glück erkennst du Müdigkeit in seinen Augen. Das ist kein Alter, sondern Übergewicht. Eine stille Krankheit, die dem Hund langsam Energie, Gesundheit und Lebensfreude raubt. Doch das Wichtigste ist: Du kannst ihm helfen. Du entscheidest, was er frisst, wie viel er sich bewegt und wie sein Tag aussieht. Und du kannst dafür sorgen, dass er wieder glücklich und so leichtfüßig wie früher wird.
Hat dein Hund Übergewicht?
Viele Halter sagen: „Er hat einfach ein dichtes Fell“, „Diese Rasse sieht eben so aus“. Doch die Wahrheit ist einfach: Wenn sich die Rippen des Hundes nur schwer ertasten lassen, ist das ein Zeichen dafür, dass er zu viel wiegt.
📌 Weitere Anzeichen:
- keine deutlich erkennbare Taille,
- Hecheln und Schnarchen,
- Trägheit und keine Lust zu spielen.
Besonders Hunde kleiner Rassen sind von Übergewicht bedroht – für einen Yorkie oder Malteser, also Rassen mit einem geringen täglichen Kalorienbedarf, kann bereits eine kleine Menge zusätzlichen Futters eine erhebliche Gefahr darstellen.

Woher kommt Übergewicht?
Hunde werden nicht ohne Grund dick. Es ist immer das Ergebnis unserer Entscheidungen:
- zu große Futtermengen,
- zu viele „Häppchen vom Tisch“,
- zu wenig Bewegung,
- ein langsamerer Stoffwechsel nach der Kastration und Sterilisation und sogar Emotionen – Stress oder Depression beim Hund
Ja, auch ein Hund kann „seinen Kummer wegessen“.
Diät – Liebe, die sich im Futternapf ausdrückt
Futter bedeutet für einen Hund Sicherheit, Routine und das Signal, dass du dich um ihn kümmerst. Deshalb sollte eine Diät zum Abnehmen keine Strafe sein.
Setze statt auf Hungerkuren auf eine kluge Veränderung: Wähle ein Light-Futter mit reduziertem Kaloriengehalt, das:
- ist reich an Eiweiß und unterstützt dadurch die Muskeln,
- enthält zusätzliche Ballaststoffe, die für ein Sättigungsgefühl sorgen,
- liefert alle Vitamine und Mineralstoffe.
Teile die Tagesration auf 2–3 Mahlzeiten auf. Dein Hund wird keinen leeren Magen haben und du vermeidest seine flehenden Blicke.
👉 Denke auch daran, dass jede Futterumstellung schrittweise erfolgen sollte – mische das neue Futter mit dem bisherigen, damit sich der Magen des Hundes daran gewöhnen kann.

Leckerlis – denn eine Belohnung ist auch Liebe
Du musst nicht auf Leckerlis verzichten. Schließlich sind sie für den Vierbeiner oft eine Sprache der Liebe und ein Grund zur Freude.
Wähle deshalb gesunde Leckerlis, zum Beispiel getrocknetes Fleisch, leichte Happen und „fittere“ Belohnungen. Du kannst auch Gemüsestücke (z. B. Karotten) geben, die sättigen, aber nicht dick machen.
📌 Wichtige Regel: Wenn du deinem Hund Leckerlis gibst, ziehe ihren Energiegehalt von der täglichen Futterration ab. Das ist einfach und effektiv!
Bewegung – ein Mittel gegen überflüssige Kilos und Traurigkeit
Bewegung ist der Schlüssel zur Gesundheit. Dabei geht es aber nicht darum, dass dein Hund sofort neben dem Fahrrad herläuft oder Sport treibt. Es geht um einen aktiven Alltag.
- Verlängere die Spaziergänge – gehe statt 10 Minuten eine halbe Stunde.
- Wechsle die Routen – neue Gerüche sind für einen Hund ein Abenteuer.
- Baue Nasenspiele ein – zum Beispiel Spurensuche – das trainiert gleichzeitig Körper und Geist.
- Probiere Apportieren, Zerrspiele oder sogar einfache Agility-Übungen im Park aus.
👉 Denke daran: Bewegung dient nicht nur dem Kalorienverbrennen. Sie ist ein Mittel gegen Langeweile, Stress und Traurigkeit und außerdem eine großartige Möglichkeit, die Beziehung zwischen dir und deinem Vierbeiner zu vertiefen.
Emotionen – ein Hund ist keine Maschine
Oft betrachten wir die Aktivitäten eines Hundes als sehr automatisch und schreiben unserem Vierbeiner dabei Eigenschaften eines Roboters zu: Er frisst, geht spazieren, verrichtet sein Geschäft und schläft. Doch bei diesen scheinbar mechanisch ausgeführten Tätigkeiten ist der Hund ein emotionales und sensibles Wesen. Wenn er viele Stunden allein bleibt, sich langweilt oder Stress empfindet, kann er anfangen, „aus Trost“ zu fressen. Das liegt daran, dass sich in einer Gefahrensituation kein Tier fragt, ob es hungrig ist, sondern sich auf die Möglichkeiten des Kämpfens oder der Flucht konzentriert. Fressen in einer Stresssituation sendet dem Körper das Signal: „Ich fresse, also muss es draußen sicher sein“, was beruhigend wirkt.
Genau dann kommen die zusätzlichen Kilos. Der Hund nascht zwischendurch, weil er etwas erlebt, das ihn überfordert und für ihn unverständlich ist oder sein Sicherheitsgefühl bedroht. Deshalb geht es beim Abnehmen nicht nur um den Futternapf und Spaziergänge. Es geht auch um deine Anwesenheit, gemeinsames Spielen und Zuneigung. Ein Hund, der sich geliebt und sicher fühlt, kann seine Gewohnheiten leichter ändern.
📌Achtung: Wenn du bei deinem Hund Anzeichen von Apathie, Rückzug oder fehlender Spielfreude bemerkst, kann es sich um Symptome einer Depression handeln. Dann braucht dein Vierbeiner nicht nur Bewegung und eine Diät, sondern vor allem emotionale Unterstützung.
Beobachte die Entwicklung und vertraue dem Tierarzt
Das Abnehmen deines Hundes ist ein Prozess – es erfordert Zeit und Geduld. Wiege deinen Hund jeden Monat, notiere die Ergebnisse und mache Fotos. Das motiviert und zeigt die Fortschritte.
Regelmäßige Besuche in der Tierklinik sind unerlässlich. Der Tierarzt prüft, ob dein Hund gesund abnimmt und keine Muskeln verliert, und berät dich dabei, wie du den Plan anpassen kannst. Bevor du dich auf den Weg machst, erfahre, wie du deinen Hund auf den Besuch vorbereitest.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Kann ein Hund von allein abnehmen?
Nein. Du entscheidest über seinen Futternapf und seine Bewegung.
Wie lange dauert es, einen Hund abzunehmen?
Eine gesunde Gewichtsabnahme beträgt 1–2 % des Körpergewichts pro Woche. In der Praxis dauert das mehrere Monate.
Nehmen Hunde kleiner Rassen schneller zu?
Ja. Für einen kleinen Hund sind schon ein halbes Kilogramm mehr ein ernstes Problem.
Verursacht eine Kastration Übergewicht?
Nicht die Operation selbst, sondern der verlangsamte Stoffwechsel danach. Deshalb musst du nach dem Eingriff besonders auf die Portionen achten.
Liebe, die Leben schenkt
Denke daran: Du entscheidest, ob ihr die nächsten Jahre bei gemeinsamen Spaziergängen mit deinem Vierbeiner verbringt oder im Wartezimmer beim Tierarzt. Wenn du deinen Hund beim Abnehmen unterstützt, nimmst du ihm nicht die Freude – du schenkst ihm Gesundheit, Leichtigkeit und weitere glückliche Lebensjahre. Das ist der schönste Liebesbeweis, den du ihm geben kannst.

Elżbieta Górnik – Spezialistin für die Ernährung von Hunden und Katzen bei BULT.
Erstellt gemeinsam mit anderen Expertenartikel und Ratgeber für Tierhalter und verbindet dabei Ernährungswissen mit der praktischen täglichen Betreuung von Hunden und Katzen.